Alt gegen neu – bei Fidelity Hamburg hat dieses Format Tradition. Schon vor Jahren haben wir Lautsprecher von Bowers & Wilkins über Generationen hinweg gegeneinander gehört, später folgten Canton, T&A und Technics. Diesmal ging es um Verstärker – und zwar um ein besonders persönliches Duell. Für den Test wurde nicht einfach irgendein Vintage-Gerät aus dem Lager geholt: Frank hat einen Denon PMA-700V von 1986 vom eigenen Dachboden mitgebracht. Ihm gegenüber steht der aktuelle Denon PMA-3000NE, der Bolide der Oberklasse mit allem, was moderne Verstärkertechnik heute zu bieten hat. Fast 40 Jahre trennen die beiden Geräte – und genau das macht die Frage so spannend: Wie viel Fortschritt steckt wirklich in vier Jahrzehnten Verstärkerentwicklung, und lohnt sich ein Upgrade für die eigene Anlage tatsächlich? Um das herauszufinden, wurde nicht nur einmal verglichen, sondern gleich zweimal – einmal an aktuellen, einmal an ebenfalls historischen Lautsprechern. So zeigt sich, ob der Verstärker wirklich der entscheidende Faktor ist, oder ob am Ende die Lautsprecher das letzte Wort haben.

Kurz gesagt:
Denon PMA-3000NE: Für alle, die den bestmöglichen Klang wollen – mit spürbar mehr Auflösung, Emotion und Bühne, dazu zeitgemäße Anschlüsse. Zeigt sein volles Potenzial vor allem an aktuellen Lautsprechern.
Denon PMA-700V: Für Vintage-Fans und Sammler mit stimmiger Altanlage – überzeugt bis heute mit warmem, harmonischem Sound, gerät an modernen Lautsprechern aber klanglich ins Hintertreffen.
Inhaltsverzeichnis
- Die Kandidaten im Überblick
- Musikempfehlung
- Die Testkette
- Hörvergleich nach Kriterien
- Verarbeitung & Optik
- Die technischen Daten im Vergleich
- Fazit / Für wen was
- Video zum Test
- FAQ
- Jetzt Probehören
Die Kandidaten im Überblick
Denon PMA-3000NE – der aktuelle Bolide
Der Denon PMA-3000NE ist einer der aktuellen Topverstärker der Marke und trägt diesen Anspruch auch technisch zu Recht. Der 2-Kanal-Vollverstärker mit integrierter MM/MC-Phono-Vorstufe liefert 80 Watt pro Kanal an 8 Ohm bzw. 160 Watt an 4 Ohm und wird komplett in den Denon-Werken im japanischen Shirakawa gefertigt. Im Inneren arbeiten gleich vier ESS-ES9018K2M-Wandler zusammen mit Denons Ultra AL32 Processing – eine Kombination, die für die feine, aufgelöste Wiedergabe verantwortlich ist, die diesen Verstärker auszeichnet. Dazu kommen optische, koaxiale und USB-Digitaleingänge sowie ein eigener Analog-Modus, der die komplette Klangregelung umgeht und den direktesten Signalweg ermöglicht. Mit 24,6 kg ist er ein echtes Schwergewicht und kostet 3.700 €.

Denon PMA-700V – der Verstärker mit Geschichte
Der Denon PMA-700V hat eine Geschichte, die über reine Technik hinausgeht. Er war Mitte der 80er-Jahre Franks erster wirklich guter Verstärker – als Schüler mühsam zusammengespart, für damals rund 1.000 D-Mark eine echte Hausnummer, finanziert mit jedem verfügbaren Groschen und dem einen oder anderen verkauften Gerät aus dem Freundeskreis. Der Moment des Auspackens ist ihm bis heute in Erinnerung: ein Gerät, das wahnsinnig imposant und hochwertig verarbeitet wirkte. Aus reiner Neugier – hat man das damals wirklich richtig in Erinnerung, oder verklärt die Nostalgie? – hat Frank das Gerät Jahre später über Kleinanzeigen noch einmal gekauft, nachdem er es längst nicht mehr besaß. Seitdem stand es auf dem Dachboden und wartete auf genau so einen Test. Technisch ist der PMA-700V ein reinrassiges Analoggerät ohne Fernbedienung, das 1986 in Japan gefertigt wurde und seinerzeit 998 DM UVP kostete. Mit elf Eingängen – von Phono MM/MC über Tuner, zwei Aux- und zwei Tape-Anschlüsse bis zu zwei Video-Eingängen – war er für seine Zeit üppig ausgestattet. Die Dauerleistung liegt bei 2 x 100 Watt RMS an 8 Ohm, bei einem Klirrfaktor von unter 0,02 %. Mit 10,5 kg ist er deutlich leichter als sein moderner Nachfolger.

Musikempfehlung
Bevor es an die Anlage ging, gab es wie immer erst Musiktipps aus der Redaktion – und die passten diesmal thematisch bestens zum Alt-gegen-neu-Gedanken des Tests. Empfohlen haben wir unter anderem mit "Baker Street" von Gerry Rafferty aus dem Jahr 1978 – und mit der gecoverten Version aus dem Jahr 2015, gesungen von Shawn Colvin. Zwei Versionen desselben Songs, fast 40 Jahre auseinander – passender geht's für diesen Test kaum. Dazu kam ein echter Geheimtipp aus der gedruckten Fidelity-Zeitschrift: "Jessica" von der Allman Brothers Band, eine Live-Aufnahme aus dem Jahr 1991 – groovig, schnell gespielt und randvoll mit Details.
Die Testkette
Als Zuspieler diente ein Denon-Netzwerkstreamer der 2000er-Serie (Denon DNP-2000NE, Schreibweise bitte prüfen), der beide Verstärker digital fütterte. Wichtig für die Fairness des Vergleichs: Bei beiden Verstärkern wurde bewusst der direkteste Signalweg gewählt. Der PMA-3000NE lief im Analog-Modus mit komplett deaktivierter Klangregelung, beim PMA-700V kam die entsprechende Tone-Defeat-Schaltung zum Einsatz, die ebenfalls sämtliche Klangregler umgeht. Gehört wurde zunächst über die aktuellen T&A Pulsar S130, anschließend über ein Paar T&A aus der Kriterion-Serie (Modell T130E) als klanglicher Gegenpol – nicht, um die Lautsprecher gegeneinander zu vergleichen, sondern um zu prüfen, ob sich der Verstärkerunterschied auch an einer älteren Box genauso deutlich zeigt.
Hörvergleich nach Kriterien
Bass & Dynamik
An den aktuellen T&A Pulsar S130 zeigte der PMA-3000NE von der ersten Sekunde an mehr Kontrolle und Druck im Bass – die tiefen Töne wirkten definierter, der Verstärker schien die Lautsprecher souveräner im Griff zu haben. Der PMA-700V spielte dagegen zurückhaltender, fast schon vorsichtig. An den alten T&A-Boxen kippte das Bild interessanterweise leicht: Hier brachte der Vintage-Verstärker im Grundtonbereich sogar spürbar mehr Druck mit, wirkte dabei aber weniger kontrolliert und tendenziell etwas übertrieben – ein Dröhnen, das der neue Verstärker konsequent vermied. Der PMA-3000NE blieb insgesamt knackiger und spritziger, der Abstand zum alten Gerät schrumpfte an den historischen Boxen aber deutlich.
Stimmen & Mitten
Beide Verstärker platzierten Stimmen sauber im Vordergrund, direkt vor dem Klavier. Der entscheidende Unterschied lag im Detail: Beim PMA-3000NE klang das Ausklingen von Stimmen erstaunlich akzentuiert – die feinsten Nebengeräusche, wenn sich Lippen öffnen und der letzte Ton verklingt, waren klar herauszuhören. Beim PMA-700V verschwammen genau diese Feinheiten spürbar. Auch beim Klavier zeigte sich der Sprung in der Auflösung: Über den neuen Verstärker war zweifelsfrei ein echter, akustischer Flügel zu hören. Über den alten Verstärker blieb unklar, ob da wirklich ein Flügel spielte oder ein digitales Piano – ein Unterschied, der jedem sofort ins Ohr springt, der selbst Klavier spielt.
Bühne & Räumlichkeit
An den neuen T&A-Lautsprechern öffnete der PMA-3000NE eine Bühne, die tatsächlich dreidimensional vor dem Hörer stand – Stimme und Instrumente lösten sich regelrecht vom Lautsprecher. Genau diese räumliche Magie fehlte dem PMA-700V an dieser Kombination komplett; er blieb flacher und weniger raumfüllend. An den alten T&A-Boxen wirkte die Bühne bei beiden Verstärkern insgesamt enger und stärker auf die Mitte fokussiert – fast so, als würde unsichtbar ein Center-Speaker mitspielen. Für Musik empfanden wir das als etwas beengend; hier zeigte sich, dass eher der Lautsprecher als der Verstärker die Grenze setzte.
Auflösung & Detail
An den aktuellen Lautsprechern war der Auflösungsvorsprung des PMA-3000NE unüberhörbar: mehr Brillanz, mehr Feininformationen, spürbar weniger Nebengeräusche. An den alten Boxen blieb dieser Vorteil zwar erhalten – bei Drum-Breaks etwa fehlten dem PMA-700V hörbar Obertöne, der Klang wirkte insgesamt dumpfer –, fiel aber deutlich kleiner aus als zuvor. Die T&A T130E konnten das höhere Auflösungsvermögen des neuen Verstärkers schlicht nicht vollständig transportieren und bremsten den Unterschied spürbar aus. Genau das war die zentrale Erkenntnis dieses Durchgangs: Der Lautsprecher wurde hier zum Nadelöhr der ganzen Kette.
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Verarbeitung & Optik
Denon PMA-3000NE
Der PMA-3000NE bringt mit 24,6 kg spürbar Gewicht auf die Waage – ein Gerät, das schon beim Auspacken durch seine Solidität überzeugt. Die gebürstete Front, der satt einrastende Lautstärkeregler und das informative, wenn auch klanglich irrelevante Display unterstreichen den typischen Denon-Charakter der Oberklasse. Ein abnehmbares Netzkabel, heute selbstverständlich, war beim Vorgänger aus den 80ern noch undenkbar. Erhältlich ist der Verstärker in Schwarz und Silber – beide Varianten wirken gleichermaßen wertig:
Auch die Rückseite zeigt, wie sehr sich vier Jahrzehnte Verstärkerbau unterscheiden: massive, vergoldete Lautsprecherklemmen für zwei Paare, daneben die komplette Digitalsektion mit drei optischen, einem koaxialen und einem USB-DAC-Eingang.

Denon PMA-700V
Der PMA-700V wurde 1986 in Japan gefertigt und war in Champagner oder Schwarz erhältlich. Mit 10,5 kg ist er deutlich leichter als sein moderner Nachfolger – dennoch wirkt er auch nach vier Jahrzehnten erstaunlich hochwertig verarbeitet, mit satten Schaltern und einem Gehäuse, das seiner Preisklasse und Zeit alle Ehre macht. Dass er noch voll funktionsfähig ist, obwohl er nie revidiert wurde, spricht für die Bauqualität – wenngleich sich die Alterung der Bauteile über die Jahrzehnte durchaus im Klangbild bemerkbar machen dürfte. Neben dem 24,6 kg schweren PMA-3000NE relativiert sich der einstige Wow-Effekt allerdings: Was 1986 als imposantes Schwergewicht galt, ist heute ein vergleichsweise schlankes Gerät.
Gehört mit:
- An den T&A Pulsar S130: ein Titel mit sanftem Gesang und Klavierbegleitung | Summer Haize - Easy
- An den T&A T130E: Jimit - Changes
Die technischen Daten im Vergleich
| Kriterium | Denon PMA-3000NE | Denon PMA-700V |
|---|---|---|
| Leistung pro Kanal | 80 W (8 Ω) / 160 W (4 Ω) | 100 W RMS (8 Ω) / 120 W (4 Ω) |
| Unterstützte Formate/Auflösungen | PCM bis 384 kHz/32-Bit, DSD bis 11,2 MHz (USB), Digitaleingänge bis 192 kHz/24-Bit | rein analog, keine digitalen Eingänge |
| Streaming-Dienste/Protokolle | kein integriertes Streaming (kein WLAN, kein HEOS) | nicht vorhanden |
| Eingänge/Ausgänge | 4 Analog-Eingänge (inkl. Phono) + 1 REC Out, 3x optisch, 1x koaxial, 1x USB-B, Kopfhörerausgang | 11 Eingänge (Phono MM/MC, CD, Tuner, 2x Aux, 2x Tape, Processor In, 2x Video), 2 Lautsprecherpaare, Tape 1/2, Processor Loop Out, Video Monitor Out |
| DAC | 4x ESS ES9018K2M, Ultra AL32 Processing | kein DAC (reines Analoggerät) |
| Display | k. A. | k. A. |
| App | nicht vorhanden (kein Netzwerkanschluss) | nicht vorhanden |
| Abmessungen (B x H x T) | 434 x 182 x 443 mm | 434 x 157 x 397 mm |
| Gewicht | 24,6 kg | 10,5 kg |
| Farben | Schwarz, Silber | Champagner, Schwarz |
| Preis | 3.700 € | 998 DM UVP (1986), kein aktueller Marktpreis verfügbar |
Fazit / Für wen was
Vier Jahrzehnte Verstärkerentwicklung hören sich an den richtigen Lautsprechern erstaunlich deutlich an. An den aktuellen T&A Pulsar S130 war der Unterschied zwischen beiden Denon-Verstärkern fast schon frappierend: mehr Bühne, mehr Emotion, mehr Auflösung – der PMA-3000NE machte aus derselben Aufnahme ein anderes Hörerlebnis. Richtig spannend wurde es aber erst an den alten T&A-Boxen, wo beide Verstärker klanglich näher zusammenrückten. Das ist die eigentliche Erkenntnis dieses Tests: Ein neuer Verstärker bringt so gut wie immer einen hörbaren Mehrwert – Kontrolle, Auflösung, Emotion. Sein volles Potenzial lässt sich aber nur ausschöpfen, wenn auch der Lautsprecher mitspielt. Wer über ein Anlagen-Upgrade nachdenkt, sollte den Verstärker deshalb nie isoliert betrachten, sondern immer die gesamte Kette im Blick behalten – sie ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Und für alle Sammler und Nostalgiker: Der PMA-700V hat nach fast 40 Jahren nichts von seinem Charme verloren. In Kombination mit einem ebenfalls historischen Lautsprecher spielt er stimmig, warm und mit einer Musikalität, die zeigt, warum sich manche Geräte bis heute lohnen, auf dem Dachboden aufgehoben zu werden.
Wir haben dazu auch ein Video gedreht
Wenn du das Thema lieber gezeigt statt gelesen bekommst: Wir haben die beiden Denon-Verstärker auch vor der Kamera gegeneinander antreten lassen – einmal an den aktuellen T&A Pulsar S130, einmal an den alten T&A aus der Kriterion-Serie. Schaut gern rein, dort hört ihr die Unterschiede in Ruhe selbst.
FAQ
Lohnt sich ein neuer Vollverstärker, wenn ich meine alten Lautsprecher behalte?
Ja, ein hörbarer Klanggewinn bleibt in jedem Fall – mehr Kontrolle, Auflösung und Dynamik sind auch an älteren Lautsprechern spürbar. Das volle Potenzial eines modernen Verstärkers entfaltet sich aber erst mit einem ebenfalls zeitgemäßen Lautsprecher.
Was ist der größte klangliche Unterschied zwischen dem PMA-700V und dem PMA-3000NE?
Vor allem Auflösung und Räumlichkeit: Der PMA-3000NE staffelt Instrumente und Stimmen deutlich dreidimensionaler und detailreicher, während der PMA-700V insgesamt wärmer, aber weniger differenziert klingt.
Kann der Denon PMA-3000NE auch Streaming-Dienste wiedergeben?
Nein, der PMA-3000NE ist ein reiner Vollverstärker ohne eigenes Streaming-Modul – kein WLAN, kein HEOS an Bord. Für Netzwerk-Streaming braucht es einen externen Zuspieler, wie wir ihn auch im Test genutzt haben.
Was kostet der Denon PMA-3000NE?
Der Denon PMA-3000NE kostet 3.700 €.
Kann ich meine eigene Anlage bei Fidelity gegen einen neuen Verstärker testen?
Ja, gerne. Bring deine Komponenten einfach mit ins Studio, oder wir bauen den Vergleich für dich auf – so hörst du selbst, ob sich ein Upgrade für dich lohnt.
Jetzt Probehören
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Frank Buck & Hajo Acker






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